Meta Rödiger – Stifterin mit Weitsicht

Lür-Kropp-Stiftung

Meta Rödiger hatte nicht vor, eine Stiftung zu gründen. Die alte Hofstelle, welche sich seit 1600 im Besitz der Familie Kropp befand, sollte nach ihrem Testament Lür-Kropp-Hof heißen und ursprünglich als Erbe an die Gemeinde Oberneuland fallen. Ab 1939 war das jedoch nicht mehr möglich, das bisher selbstständige Oberneuland wurde in die Stadt Bremen eingemeindet. Dennoch sollte ihr Vermögen nicht im Bremer Haushalt verschwinden und so legte sie in ihrem Testament fest, dass der landwirtschaftliche Charakter gewahrt werden sollte, bis auf eine Ausnahme: die Errichtung eines Kindergartens oder Kinderspielplatzes auf dem Gelände vor dem Oberneulander Bahnhof. „Was für eine Weitsicht Meta damals schon hatte“, sagt Karen Haltermann. „Das Grundstück ist nicht perfekt geeignet, aber die Architekten gleichen das mit ihrem Entwurf aus.“ Ab dem 1. November 2020 werden die Türen von Metas Kinnerhus geöffnet sein, dann wird Imke Breyer-Kück als neue Kita-Leitung mit ihrem Team die „Kinner” in Empfang nehmen. Die ScolaNova ist die Betreiberin, die Erbpacht, welche vom Kindergarten kommt, wird der Stiftung zugute kommen.

Haltermann ist als Vorsitzende der Lür-Kropp-Hof-Stiftung noch ein recht neues Gesicht. Seit März 2019 hat sie die Arbeit von Rolf-Gerhard Facklam nach über 40 Jahren übernommen, er ist froh, dass er sie gewinnen konnte, denn der Hof ist im Laufe der Jahre zu einem Teil seines Lebens geworden, wie er selber sagt. „Auf dem Lür-Kropp-Hof gibt es ein gleichgestelltes Dreigestirn, drei eigenständige Organisationen, die zusammenarbeiten“, erklärt mir Haltermann. Der Förderverein wurde 1995 als älteste der drei Organisationen gegründet, der Vorsitzende ist Uwe Bornkeßel. Seit 2006 hatte Facklam den Stiftungsvorsitz der neu gegründeten Lür-Kropp-Hof-Stiftung inne.
Die Lür-Kropp-Service GmbH Britta Evers ist die dritte im Bunde. Während die Stiftung und der Förderverein ehrenamtlich arbeiten, finanzieren die ca. 450 Hochzeiten im Meta-Rödiger-Hochtiedshuus die eine oder andere größere Differenz. Die Parkpflege, Instandhaltung der Gebäude und Verkehrssicherheit ist Stiftungssache. Auch das Verwalten des Stiftungsstammkapitals, erworben durch Abgabe von Flächen an die Stadt, fällt in deren Aufgabenbereich. Im Gegenzug konnte mit der Stadt eine Unabhängigkeit im Umgang mit dem verbliebenen Erbe ausgehandelt werden.

Nachbar und Stiftungsmitglied Uli Müller arbeitet bei der Hanseatischen Naturentwicklungs GmbH (haneg), der größten Flächenverwaltung Bremens, zuständig, Kompensationsmaßnahmen für die Bebauung durchzuführen. Diese sollten in Oberneuland sein und so stellte der Lür-Kropp-Hof das Land zur Verfügung. Die Bremer Arbeitslosenselbsthilfe-Organisation, kurz BRAS e.V., stellt aus dem Baumschnitt Totholzhecken her, ein sinnvoller ökologischer Verwendungszweck für Insekten, erwähnt Haltermann. In den dicken Baumstämmen, die einfach herumliegen oder als hoher Stumpf abgesägt dastehen, wohnt der Eremit, „ein ganz seltener, geschützter Käfer“, weiß Haltermann.
Vorstandsmitglied Käthe Protze hat als Landschaftsarchitektin den Park unter ihre Fittiche genommen. Auch Matthias Kook als neuer Ortsamtsleiter ist Vorstandsmitglied, ob er will oder nicht. Meta Rödiger hat als Wunsch zum Ausdruck gebracht, dass der jeweilige Ortsamtsleiter dem Vorstand angehört und die Verbindung zum Stadtteil herstellt.

Wie man dem Stiftungszweck nachkommt, ist der Stiftung überlassen, dabei ist ihr Zweck Heimatpflege und Kunst auf dem Lür-Kropp-Hof, deshalb liegen gemeinsame Projekte mit Kindergärten und Schulklassen Haltermann besonders am Herzen. Sie freut sich auf die zweite Streuobstwiese und möchte mit den Kindern Äpfel ernten und Saft pressen. Über die Blühwiese unter den Obstbäumen werden sich die Bienen freuen, welche mit der Imkerei sowie den Obstbäumen den landwirtschaftlichen Charakter wahren. Seit 1875 gibt es den Imkerverein Bremen e.V., Dachverband für Bremer Imker mit Lehrbienenstand. Außerdem findet einmal wöchentlich eine Imkerausbildung statt. Die Tierhaltung auf dem Hof musste aufgegeben werden, sie passte nicht mehr mit den Feierlichkeiten zusammen. Auch wohnt niemand mehr auf dem Hof, der sich um die Schweine kümmert und auf sie aufpasst. Vor dem ehemaligen Schweinestall stehen zur Erinnerung rosa Schweine aus gebranntem Ton, gestiftet von der Künstlerwerkstatt der JVA. Seit 2017 kommen zahlreiche Besucher, um die Ausstellung der dortigen Bildhauerwerkstatt auf dem Lür-Kropp-Hof zu sehen. Auch für die Flüchtlingsarbeit wurden Tor und Tür geöffnet, hier ging es nicht nur darum Essen, Kleidung und Geschenke zu verteilen, für viele war der Austausch wichtig und hier irgendwie anzukommen.

Die kulturellen Veranstaltungen sollen wieder mehr Raum auf dem Lür-Kropp-Hof einnehmen, das wünscht sich Haltermann. Dabei sind Maifest und Weihnachtsmarkt feste Traditionen unter Uwe Bornkeßels Regie. Räumlichkeiten zum Feiern gibt es genug, für Paare, die sich trauen, das Meta-Rödiger-Hochtiedshuus, für größere Feierlichkeiten das Flett und wenn die Gesellschaft etwas kleiner ist, die Kutscherstube für zehn Personen.


„Jede Feier und Spende ist willkommen“, betont Haltermann. „Bisher wurde viel getan, um den Hof zu erhalten.“

Text und Foto: Susanne Wokurka