Hochzeitsbaum & erhoffter Nachwuchs

Oberneuland gestern & heute

Die menschliche Kultur hat ein reiches Brauchtum entwickelt und es gibt die unterschiedlichsten Klassifizierungen von Bräuchen. Nach Jahreszeiten oder dem Kirchenjahr, der Monatsfolge und Tätigkeiten im Bauernjahr finden Bräuche im Jahreslauf statt. Regionale Bräuche und religiöses Brauchtum verschiedener Kulturen werden genauso gelebt wie Bräuche der Berufe und Stände oder Bräuche im Lebenslauf. Alle Bräuche vereinen und wirken gemeinschaftsbindend. Im Dorf werden Bräuche und Traditionen teilweise noch gelebt und gepflegt. Das Oberneuland Magazin stellt ab dieser Ausgabe einige vor. 

Von jeher stehen Bäume als Sinnbild für das Leben selbst, ihre Wurzeln sind tief mit der Erde verbunden, sie wachsen und tragen Früchte.

Als Hochzeitsbrauch mit langer Tradition gilt, dass ein frisch vermähltes Ehepaar einen Hochzeitsbaum pflanzt. Der Baum soll das gemeinsame Leben der Brautleute darstellen. Auch wenn heute Birken- oder Fichtenstämme und andere kunstvoll gestaltete Hochzeitsbäumchen aufgestellt werden, bleibt die Symbolik des ursprünglichen Brauchtums erhalten – gute Wünsche der Schenkenden für das Eheglück. Das jeweils gewählte Holz steht für Kraft und Langlebigkeit oder hat segnende und schützende Eigenschaften.

Das hochzeitliche Baumpflanzen ist regional sehr unterschiedlich. Oft wird der Baum mit Girlanden, Sprüchen und Babywäsche reich verziert oder diese wird einfach an eine Wäscheleine gehängt, was auf den bald erhofften Nachwuchs hindeuten soll. Wenn dann noch ein Storch auf dem Dach steht, ist das eine unmissverständliche Aufforderung an das Brautpaar, in der Hochzeitsnacht fleißig zu sein.

Mit diesen Bräuchen kennen sich Herta, Nelli, Andreas Brandt und Freunde bestens aus. Während Nachbarn, Freunde oder Familienmitglieder getraut werden, setzen sie mitunter waghalsige Ideen um. Als Berenike und Marc Oetke nach ihrer standesamtlichen Trauung nach Hause kamen, befand sich ein Storch und Kinderwagen auf ihrem Dach. Am Haus hing eine Wäscheleine mit der symbolischen Erstausstattung für den Nachwuchs. 

Der Zusammenhalt mit den Nachbarn und Freunden wird dadurch fester, erzählt Oetke. Für Familie Brandt ist es ganz klar ein Zeichen der Unterstützung. Sofort wird in der Nachbarschaft herumtelefoniert, es muss doch herauszufinden sein, seit wann es diesen Brauch in Oberneuland gibt. Klaus Bömike sagt: „Das gab es bei uns schon, also vor 50, 60 Jahren“. 

Nelli sucht Fotos von ihrer eigenen Hochzeit und Oetkes geschmückten Haus in der Nachbarschaft. Für alle ist klar, der Storch bringt die Kinder. Kommt er nun auf das Dach, wenn die Frau schon schwanger ist oder als Fruchtbarkeitssymbol? Auch wenn sich hier nicht alle am Gespräch Beteiligten einig waren, bleibt es eine schöne, facettenreiche Tradition, welche immer von Freunden und Nachbarn als Überraschung ausgeführt wird. Und besser als im Osnabrücker Land haben es unsere Brautpaare auch. Dort müssen Braut und Bräutigam die Babywäsche erst waschen und dann selber aufhängen.

SW