Wasser ist Leben – besonders im Garten –

Hartmut Clemen vom Landesverband der Gartenfreunde Bremen rät dazu, in dieser Zeit die Beete zu beschatten. Vor allem Grasschnitt gibt man dann nicht auf den Kompost, sondern auf die Erde, neben und über die Gemüsepflanzen und die Blumen. Mulchen nennt man das. Wichtig dabei: Der Grasschnitt darf nicht feucht sein, eher wie Heu. Sonst kommen die Schnecken angerannt. Das Gleiche können auch Rhabarber- und Kohlrabiblätter bewirken, kurz – alles, was sonst auf dem Kompost landen würde. Der muss dann eben eine Weile warten. Dass vorher die Erde mit der Hacke locker und krümelig gemacht werden muss, setzt Hartmut Clemen als selbstverständlich voraus. Ein mehr oder weniger versiegelter Boden kann kein Wasser aufnehmen. Bei all dem ist jedoch Achtsamkeit geboten. Ein verdorrter Rasen im Sommer ist kein schöner Anblick. Viel zu häufig wird viel zu oft gemäht. Ein Hausgarten ist schließlich kein Golfplatz. Jeder Grashalm ist eine eigenständige Pflanze, die Pflege verdient. Drei bis vier Zentimeter Schnittlänge soll ein Rasen mindestens vorweisen. Deshalb hält Hartmut Clemen auch nicht viel von Mäh-Robotern. Die schneiden zu kurz. Mulchen und Beschatten allein reichen selbstverständlich nicht aus. Hat es länger nicht geregnet, so muss der Garten regelmäßig bewässert werden. Nicht unbedingt täglich, aber mindestens zwei Mal in der Woche, bei Sandboden besser öfter. Wer berufstätig ist, tut das nach Feierabend. Das ist nur zu verständlich und hilft auch. Leider aber ist es nicht clever genug. Denn einerseits freuen sich die Schnecken über die abendliche Feuchtigkeit und zum anderen wollen die Pflanzen tagsüber wachsen und nicht in der Dunkelheit.

Vor allem aber ist der Boden noch von der Mittagssonne aufgewärmt und viel Wasser verdunstet ungenutzt. Pflanzenbestände sollten möglichst trocken in die Nacht gehen. Das mindert ebenfalls die Gefahr von Pilzinfektionen, wie z.B. Sternrußtau an Rosen oder Kraut- und Braunfäule an Tomaten. Tja, richtiges Gießen und Bewässern ist nun mal etwas für Frühaufsteher. Gleich nach Sonnenaufgang, das ist der ideale Zeitpunkt. Das Wasser in den Regentonnen wärmt sich über Tag in der Sonne schön auf. Durchaus ein Argument, am Abend zu gießen. Doch an wirklich heißen Tagen kühlt das Wasser selbst in der Nacht nicht wesentlich ab. Wenn hier von Regentonnen die Rede ist, so ist natürlich erst einmal der Umgang mit der guten alten Gießkanne gemeint. Es ist ein wenig anstrengend, die volle Gießkanne aus der Regentonne zu heben, deshalb haben manche unten einen Wasserhahn. Das ist praktisch. Bald aber ist die Regentonne leer und der Himmel noch immer wolkenlos. Dann muss mit Gartenpumpe und Schlauch nachgefüllt werden. Damit sind wir nun auch beim Bewässern mit Gerätschaften. Denn so gemächlich der Umgang mit der Gießkanne auch sein mag, hat man einen etwas größeren Garten, so müssen Geräte her, die allein durch den Wasserdruck für eine großflächige Beregnung sorgen. Der Markt bietet eine Vielzahl von Marken und Möglichkeiten an. Tropfschläuche, Sprühregner, Kreisregner, Viereckregner. Man mag sich aussuchen, welches das jeweils Beste ist. Grundsätzlich gilt beim Gießen: Kein Trinkwasser verwenden! Eine gute Gartenpumpe holt sich das Grundwasser aus der Tiefe. Beim Sprengen gilt das Gleiche wie beim Gießen: besser am Morgen als abends. Ganz falsch ist es, bei Sonnenschein zu sprengen. Die Wassertropfen wirken auf Blätter, zum Beispiel bei Rhododendron, wie Brenngläser und verursachen braune Flecken. Sehr moderne Geräte, weiß Hartmut Clemen, lassen sich sogar mit einer App steuern, sodass sich die Uhrzeit einstellen lässt, ohne dass man selbst hinaus muss. Bleibt die Frage, ob das Wasser aus der Tiefe am Abend nicht zu kalt für die Pflanzen ist. „Das macht denen nichts aus“, sagt der Fachmann, „besser eine kalte Dusche, als gar kein Wasser.“

Das Gießkannenprinzip

Ein Begriff, den wir aus der Politik kennen. Staatliche Zuwendungen, die an alle verteilt werden, gleich ob arm oder reich. Zum Beispiel Kindergeld. In der Pflanzenwelt verhält es sich ähnlich. Die einen sind genügsam, die anderen haben es nötig. Von Pflanzen aus dem mediterranen Raum und von Sukkulenten weiß man, dass sie mit wenig Wasser auskommen. Also Lavendel, Thymian, Rosmarin und Gewürzsalbei mögen es recht trocken. Petersilie hingegen braucht ihre regelmäßige Portion Wasser. Sukkulenten speichern in ihren verdickten Blättern das Wasser recht lange. Das heißt, der Steingarten kann eine Weile warten. Beim Gemüse sieht das anders aus. Zwiebeln, Radieschen, Feldsalat, Rasengräser als Flachwurzler müssen häufiger gegossen werden als Mittel- und Tiefwurzler wie Karotte, Paprika, Tomate, Rose und viele Gehölze. Denn die oberen Bodenschichten trocknen schneller aus als die tiefer liegenden Schichten. Gemüse mit stark wasserhaltigen Stängeln, Blättern und Früchten, gemeint sind Zucchini, Kürbis, Melone und Gurke, benötigen ebenfalls mehr Wasser als andere. Gewächse mit großen und weichen Blättern, das sind Hortensien, Funkien, Borretsch und Kopfsalat verdunsten besonders viel Wasser und benötigen oft Nachschub. Dennoch wird davor gewarnt, zu häufig zu wässern. Lieber seltener und dann viel und durchdringend gießen als immer nur ein bisschen!
Doch denken wir auch an Bäume und Sträucher! Für Obstbäume, die erst kürzlich gesetzt wurden, schafft man einen Gießrand, in dem sich das Wasser konzentriert sammelt, ohne seitlich abzufließen. Übrigens muss auch dabei die Veredlungsstelle 10 Zentimeter über dem Boden bleiben. Bäume, die im Rasen stehen, bekommen eine rasenfreie Baumscheibe, gerne noch mit Mulch bedeckt, damit das Wasser ihre Wurzeln direkt erreicht. Rhododendren, Buchsbäume, Koniferen bekommen oft zu wenig Wasser ab. Unterhalb der durchfeuchteten oberen Erdschicht bleibt es staubtrocken. Hier muss zusätzlich von unten her gegossen werden. Bei unseren großen Bäumen ist das Gießen im Grunde nicht notwendig. Sie versorgen sich über ihr Wurzelsystem selbst. Doch bei sehr trockenem und heißem Wetter muss gewässert werden, denn bei wochenlang ausbleibendem Regen reicht selbst ein kräftiger Gewitterschauer für die Wasserversorgung nicht aus. Und wenn es mal regnet – jetzt kommt‘s – soll hinterher gegossen werden. Denn ein Regenguss reicht nicht aus, um die tiefer liegenden Wurzeln zu erreichen. Das gilt besonders für Sträucher und Bäume. Jeder Garten ist anders. Sandboden hat andere Voraussetzungen als Lehmboden, ein sonniger Standort verlangt andere Pflege als ein schattiger, die Pflanzen als solche haben unterschiedlichen Wasserbedarf und so weiter. Wenn auch gern gewünscht, kann es deshalb keine exakte Tabelle mit den erforderlichen Wassermengen für jeden Garten geben.

Wer also sehr viel Wert auf das Wohl und Wehe jeder einzelnen Pflanze legt, kommt nicht umhin, mit oder ohne Gießkanne auf jede einzelne zu achten. Bei Beeten mit verschiedenen Pflanzen ist ein Wässern von Hand oftmals besser als eine Beregnungsautomatik. Aber wer kann schon so viel Zeit und Lust für den Garten aufbringen? Ein Kompromiss beruhigt zumindest das Gewissen. Das heißt, den Garten insgesamt und das Wetter in Augenschein zu nehmen, dann fällt es nicht so schwer sich zu entscheiden, wann und wie viel auch mal über die ganze Fläche gegossen oder gesprengt werden muss. Dann kriegen eben die, die es noch nicht brauchen, schon etwas ab, während die anderen, die es wirklich nötig haben, endlich mit dem kostbaren Nass versorgt werden.

Wer tiefer in die Materie einsteigen möchte, findet im Internet sehr ausführliche Tipps unter www.vivanno.de.

Text: Eberhard Matzke