Die Kohlmeise

Vögel an der Futterstelle

Die schwarz-gelb-grün gefärbte Kohlmeise ist einer unserer häufigsten und bekanntesten Gartenvögel und auch ein oft gesehener Gast am Futterhaus. Dort versorgt sich die größte unserer heimischen Meisen dann gerne mit Sonnenblumenkernen und Erdnüssen.

Auch an dem nach ihr benannten „Meisenknödeln“ sowie anderem Fettfutter pickt sich der eigentlich typische Waldvogel mit Vorliebe seine Nahrung ab. Es wird davon ausgegangen, dass sich Meisen schon zu Urzeiten an Talg-und Fleischresten der ersten Jäger und Sammler bedient haben.

Diese Vorliebe für fetthaltiges Futter hat sich bis heute erhalten, anderes hat sich verändert. Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich Forschungen zu Folge der Schnabel von britischen Kohlmeisen verlängert, um leichter an Futter in Futterspendern heranzukommen. Diese „Schnabelevolution“ wird darauf zurückgeführt, dass in Großbritannien Vogelfütterung schon lange und fast flächendeckend stattfindet.

Mangelt es an traditioneller Nahrung reagieren die Höhlenbrüter flexibel und manchmal auch rabiat. So wurden schon Kohlmeisen beim Anpicken von toten Fischen fotografiert.

In Ungarn wurde vor einigen Jahren eine ganz besondere Nahrungsversorgung beobachtet. Kohlmeisen verspeisten dort in einer Höhle schlafende Zwergfledermäuse, um ihren Energiebedarf zu decken. Dieses ungewöhnliche Fressverhalten wurde über mehr als 10 Jahre beobachtet, und so deshalb davon ausgegangen, dass es über Generationen weitergegeben wurde. Aber auch die Meisen müssen auf der Hut sein, denn die auch in Ungarn vorkommende Fledermausart Riesenabendsegler verspeist zur Zugzeit mit Vorliebe Singvögel.

Als Singvogel ist die Kohlmeise auch bekannt für ihren schönen und variantenreichen Gesang. Sie kann aber auch anders. Um Fressfeinde wie Mäuse von ihren Bruthöhlen fernzuhalten, können die Vögel Schlangen oder Wieseln ähnelnde Zisch- oder Fauch-Laute von sich geben. Das sorgte bei einer Untersuchung von polnischen Wissenschaftlern dafür, dass sich die Mäuse viel kürzer in der Nähe des Nestes aufhielten und so ein Nestraub weniger wahrscheinlich war.

Kohlmeisen haben natürlicherweise nicht nur was gegen Fressfeinde, sondern sind auch was Artgenossen in ihrem Brutrevier angeht wählerisch. Es werden einer Studie zufolge eher Reviere bezogen, die neben Artgenossen liegen, die man schon aus dem Winter kennt. Außerhalb der Brutzeit schließen sich Kohlmeisen nämlich gerne zu kleinen Trupps zusammen. Die über den Winter gewonnene Vertrautheit sorgt den Forschern zufolge dafür, dass ein Revier weniger aggressiv verteidigt wird. So entstehen auch zwischen Meisen Beziehungsnetzwerke, in denen z.B das Wissen über Nahrungsquellen geteilt und Feinde gemeinsam vertrieben werden. Diese Beziehungen gibt es den Untersuchungen zufolge nur außerhalb familiärer Strukturen und bilden sich aufgrund gleicher Persönlichkeitsmerkmale.

Text: NABU Bremen