Kompostieren

Besser als in die braune Tonne

Ja, es ist einfach, pflanzliche Küchenabfälle in die braune Tonne zu befördern. Man tut der Umwelt etwas Gutes. Diese Stoffe werden zu Kompost verarbeitet. So man einen eigenen Garten hat, kauft man sie später in verwandelter Form als Bremer Kompost zurück.
Viel spannender aber ist es, selbst zu kompostieren und für das gute Gedeihen des Gartens eine eigene humusreiche Erde zu schaffen.

Wie wichtig und bedeutsam Kompost für den Garten ist? Er ist ein idealer Stoff nicht nur, um den Boden zu verbessern und dadurch bessere Ernteergebnisse zu erzielen. Das Umwelt-Bundesamt schreibt dazu: „Kompost düngt die Pflanzen, lockert den Boden, speichert Wasser, erhöht die Bodenfruchtbarkeit und fördert das Bodenleben. Kompost enthält natürlicherweise alle Haupt- und Spurennährstoffe. Entsprechend kann die Versorgung des Bodens und der Pflanzen mit Nährstoffen nahezu vollständig abgedeckt werden. Kompost ist Nahrung für ein gesundes Bodenleben. Er wirkt gegen Krankheitserreger aus dem Boden und fördert die Pflanzengesundheit.“ Kurz gesagt: Aus Abfällen wird Humus. Selbst hergestellter Kompost ist billig und umweltfreundlich. Eine mehr oder weniger große Ecke dafür findet sich praktisch in jedem Garten. Wer einen relativ kleinen Garten sein Eigen nennt, ist oft mit einem Thermokomposter, auch als Schnellkomposter bezeichnet, gut beraten. Der nimmt nicht nur wenig Platz in Anspruch, man hat auch schon nach einigen Wochen einen brauchbaren Kompost zur Hand. Schnellkomposter bestehen aus Kunststoff, haben eine Grundfläche zwischen 60×60 cm und 80×80 cm und eine Höhe zwischen 83 und 115 cm. Meist sind sie grün und haben ein Fassungsvermögen bis zu 530 Litern, sind wetterfest und besitzen ein Belüftungs-system. Sogar ein Schnellkomposter aus Holzlatten ist im Angebot. Allerdings wird er aus Tropenholz hergestellt, und die Latten sind innen mit Polypropylen beschichtet, was die Ökobilanz wieder beeinträchtigt. Beim Kauf eines geschlossenen Kompostbehälters sollte auf eine gute Entnahmemöglichkeit für den fertigen Kompost sowie gute Belüftungsmöglichkeiten geachtet werden.

Alles, was wirklich gut ist, benötigt freilich seine Zeit.

Gemeint ist gute Gartenerde, die durch langsames Verrotten des Komposts entsteht. Die im Kompost arbeitenden Mikroorganismen können alles fressen und zersetzen. Ein Jahr braucht es mindestens, besser zwei, bis die pflanzlichen Stoffe, nunmehr als neue Erde, dem Garten wieder zurückgegeben werden. Dazu baut man sich selbst mit Holzpfählen und Latten eine Kompostanlage. Die sollte mindestens zwei Kammern haben, falls der Platz es erlaubt, sogar drei. In die eine Kammer wird ein Jahr lang das frische Material eingebracht, die zweite lässt man ein Jahr in Ruhe, aus der dritten Kammer entnimmt man schließlich die Komposterde für die Beete. Anschließend wird der ruhende Kompost der zweiten Kammer in die nunmehr leere dritte umgesetzt, sodass das untere nach oben kommt. Dort geht es wieder von vorne los. Zwischen den Latten muss ein Abstand von etwa zwei Zentimetern eingehalten werden. Denn eine gute Belüftung trägt entscheidend zur Verrottung bei. Im Inneren des Komposts bildet sich Wärme, dadurch wird Unkraut abgetötet. Diese „heiße Phase“ ist entscheidend bei der Umwandlung. Nach vier bis sechs Wochen kann man die Randzonen nach innen schichten. Selbst bei nur zwei Kammern erzielt man ein gutes Ergebnis. Dann ruht die Erde eben nur ein Jahr. Aber Umsetzen muss sein. Wenn genug Platz ist (und wenn es die Nachbarn nicht stört), kann sogar auf eine gebaute Kompostanlage verzichtetet werden, und man macht einfach Komposthaufen. Die finden wir bei den meisten Teilnehmern der Oberneulander Kürbiswette. Die Kürbispflanzen fühlen sich auf Kompost am wohlsten. Von hier aus können sie sich weit ausbreiten.

Das Wort Kompost leitet sich ab von dem lateinischen compositum = das Zusammengestellte.

Die richtige Mischung spielt nun eine nicht unbedeutende Rolle. Womit füllt man also die Kompostanlage? Was kommt so im Laufe des Jahres hinein? Rohe pflanzliche Küchenabfälle, also Salat, Obst- und Gemüsereste, Bananenschalen, zerkleinerte Eierschalen, auch Schalen von Zitrusfrüchten, aber nur, wenn sie ungespritzt sind. Selbst gebrauchte Tee- und Kaffeefilter samt Inhalt sind gut, ferner Küchenpapierreste und zerkleinerte Pappkartons in geringen Mengen, sowie zerkleinerte Gartenabfälle wie Rasenschnitt, Grünschnitt, Sägemehl oder geschredderte kleine Zweige. Mit dem Rasenschnitt ist es so eine Sache. Meist kommt recht viel auf einmal zusammen, sodass der Rasen eine dickere Schicht im Kompost bilden würde. Die heizt sich dann deutlich mehr auf und stinkt eine ganze Weile. Es muss aber nicht jeder Rasenschnitt auf den Kompost. Wenn das Gras nicht zu hoch ist, kann man ihn einfach auf dem Rasen liegen lassen. Mulchen nennt man das und es gibt sogar regelrechte Mulch-Rasenmäher zu kaufen. Ansonsten stinkt eine Kompostanlage nämlich nicht. Fallobst, selbst angefaultes, gibt eine gute Ergänzung. Und Laub natürlich, auch Eichenlaub, wenn man es wegen seines höheren Säureanteils gut verteilt. Für Laub gilt ähnlich wie für den Grasschnitt die Regel, keine zu große Menge auf einmal einzubringen.

Im Übrigen ist die Erde unter Bäumen und Sträuchern und auf den Beeten dankbar, wenn sie den Winter über mit Laub bedeckt ist. Lediglich der Rasen sollte von dichtem Laub frei bleiben.

Das Material gut zu verteilen ist ohnehin sehr empfehlenswert. Hilfreich beim Kompostieren ist ein handelsüblicher Schnellkomposter. Im Gegensatz zu den oben genannten Geräten ist hier ein organisch-mineralischer Dünger, ein Granulat, gemeint, den man immer wieder einmal von Hand in dünner Schicht ausstreut, bevor das nächste Material auf den Kompost kommt. Er enthält unter anderem Stickstoff, Phosphat, Kalium, Kalk und natürliche Mikroorganismen, ist deshalb ökologisch vertretbar. Einige Sachen gehören absolut nicht auf den Kompost. Das sind Asche aus Kohleöfen, Zigarettenkippen, Fleischreste, Knochen, gekochte und gegarte Lebensmittel. Damit holt man sich Ratten und andere Aasfresser in den Garten. Ebenso sind Überreste kranker Pflanzen, etwa der Baumschnitt eines Obstbaums, der von Feuerbrand befallen war, oder Pflanzen mit Viruskrankheiten tabu. Gegebenenfalls holt man sich dazu den Rat eines Fachmanns ein. Neben den bereits erwähnten Mikroorganismen sind es sichtbare Lebewesen, die aus all den Resten eine gute Erde bereiten. Die unermüdlichen Regenwürmer fressen sich durch die natürlichen Abfälle und scheiden sie als Wurmhumus wieder aus. Zahlreiche Asseln halten sich ebenfalls im Kompost auf. Auch wenn sie einem vom Aussehen her nicht gerade sympathisch sind, so verrichten sie dort als Erstzersetzer eine gute Arbeit. Man sollte sie also zufrieden lassen. Wie es mit dem Kompost weitergeht, bleibt jeder Gärtnerin, jedem Gärtner selbst überlassen. Die äußeren Ränder und das Innere hin und wieder zu vertauschen, wenn man mag, wurde bereits erwähnt. Auch das Umsetzen. Ganz eifrige Gartenfreunde werfen, wenn es so weit ist, den gereiften Kompost durch ein großes aufstellbares Sieb und schaffen sich damit ganz feine und etwas gröbere Erde. Kann man machen (muss man aber nicht). Interessant ist vielmehr die Frage: Wann bringt man den Kompost auf die Beete? Im Herbst oder im Frühjahr? Selbst die Meinungen der Fachleute sind da widersprüchlich. Wird er im Herbst nach draußen gebracht, so kann er dort im Winter durchfrieren, was einige Parasiten und Krankheitserreger töten mag. Er wird durch den Frost feiner und bröckliger und steht im Frühling sofort für die Pflanzung bereit. Die Nachteile: Einige Nährstoffe werden aus dem Kompost ausgetragen, weil Regen sie hinwegspült. Außerdem werden die Nährstoffe der Komposterde von Pflanzen aufgezehrt, für die sie nicht gedacht sind (Grünkohl z.B.).
Im Frühjahr ist der Kompost voller Nährstoffe, er kann frisch eingearbeitet werden. Aber er muss sehr früh in die Beete, wenn man Ende Februar/Anfang März die ersten Frühgemüse aussäen will. Manche leben mit einem Kompromiss: Sie bringen einen Teil im Herbst aus, den anderen im Frühjahr.

Die Gartenforen im Internet sind voll von den verschiedensten Empfehlungen. Letztlich ist es, wie das ganze Kompostieren und die Gartenarbeit selbst, eine individuelle Angelegenheit der einzelnen Gartenfreunde.

Text: Eberhard Matzke, Foto: iStockphoto/bluedogroom